Neue Westfälische "Grünkohlessen"

04.12.2007

Gütersloh und der Branchen-Fleischwolf

Rainer Schorcht zur Situation des Einzelhandels

 

Gütersloh (pb). „Auch an Gütersloh wird der Kelch des Einzelhandels-Branchen-Fleischwolfs nicht vorübergehen.“ Beim Grünkohl-Essen der Gütersloher FDP im Brauhaus, das zum 35. Mal stattfand, fasste Rainer Schorcht, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, seine Zukunftsvisionen zur Entwicklung des Berufsstandes mit diesen Worten zusammen. In Vertretung des verhinderten Vorsitzenden Dr. Gerd Sonntag hatte zu Beginn Dr. Wolfgang Büscher die Anwesenden begrüßt.

 

Der Redner, Betreiber einer Kette von acht Läden mit Foto-Artikeln, sah immer mehr großflächige Anbieter auf die Bürger zukommen. Schorcht: „Sie ersetzen Personal durch Fläche, der Kunde wird zum Mitarbeiter.“ Die jüngste Fortschreibung des Einzelhandels-Gutachtens bescheinigt nach seinen Worten Gütersloh immer noch einen guten Branchen-Mix. Es gebe aber bereits jetzt zu viel Verkaufsfläche. Zu begrüßen sei deshalb, dass die Projekte Pfleiderer-Gelände und Dammstraße verhindert worden seien. Endlich gebe es schließlich ein Gütersloh-Marketing.

 

Als erste Opfer des Branchen-Fleischwolfs habe es die Drogisten getroffen. Im Buchhandel, der stark unter der Preisbindung gelitten habe, stelle die Mayersche den nächsten Fleischwolf dar. Hier nannte Schorcht die Schließung der Buchhandlung Osthus durch die Inhaber-Familie „wirtschaftlich vernünftig“. Und er prophezeite: „Die nächsten werden die Apotheken sein. Schlecker hat ein Apotheken-Konzept längst in der Schublade.“

 

Schorcht erwähnte auch die vielerorts geplanten oder bereits verwirklichten Factory-Outlet-Center, wo vor den Toren der Stadt Waren, oft zweiter Wahl, direkt aus der Fabrik verkauft werden. „Deshalb müssen wir etwas für unsere gewachsenen Innenstädte tun.“

 

Überleben könne nur der Einzelhandel, der optimal nachgefragt werde und Dienstleistungen biete. Schorcht: „Das Schönste für einen Einzelhändler ist die zufriedene Rückmeldung des Kunden. Sie gibt uns das Gefühl, wichtig zu sein und einen guten Job zu machen.“ Und: „Eigentlich verkaufen wir keine Ware, sondern Illusionen. Mit Parfum zum Beispiel verkauft man Lebensfreude, mit einem Anzug Anerkennung der Mitmenschen und Eleganz.“