Westfalen-Blatt "Gerd Sonntag ist neuer FDP-Chef"

04.02.2006

Vorsitzender Christian Weeke kündigt beim Ortsparteitag seinen Rückzug an

 

Gütersloh (fb). Der FDP-Ortsparteitag am Donnerstagabend im Hotel Appelbaum wird den einen oder anderen Liberalen wohl noch etwas länger beschäftigen. Nicht nur, dass der 1. Vorsitzende Christian Weeke gleich zu Beginn der Veranstaltung seinen Rücktritt ankündigte, auch Schatzmeister Günter Gulitz sagte: »Dieses ist wohl mein letzter Jahresbericht, da ich bei dem neuen Vorstand nicht gebraucht werde.«

 

Und somit hatten die Liberalen auch ein strammes Wahlpaket zu schnüren. Christian Weeke, der sich aus beruflichen und familiären Gründen nicht mehr zur Wahl stellte, machte somit den Weg frei für Dr. Gerd Sonntag. Sonntag, der die Partei seit zwölf Jahren aus der zweiten Reihe mitregiert hatte, wurde von den Mitgliedern zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Der 57-jährige Gütersloher Zahnarzt hatte aber auch seine Vorstellung, wie und mit wem er die Partei führen will. So sagte Sonntag, der seit 20 Jahren FDP-Mitglied ist, noch vor seiner eigenen Wahl: »Ich möchte unsere Partei mit einer von mir bestimmten Mannschaft führen.« Anschließend nannte er die Namen Stockmann, Büscher und Fuhrmann. Ob das alles so gut geht, wagten einige Liberale anzuzweifeln: »Dann lasst uns erst mal wählen.«

Für die beiden Stellvertreter Dirk Stockmann (33) und Dr. Wolfgang Büscher (52) verlief die Wahl reibungslos, im Gegensatz zu der von Eckhard Fuhrmann zum neuen Schatzmeister. Hier wollten einige Mitglieder den altbewährten und sehr korrekten Günter Gulitz wiederwählen. Gulitz erhielt kurz vorher noch vom Rechnungsprüfer Günter Knopp ein dickes Lob für seine saubere Buchführung. Doch die Wahl zeigte mit neun Stimmen für Gulitz und 15 Stimmen für Fuhrmann, was die Parteifreunde wollen. Zum neuen Schriftführer wurde anschließend der 54-jährige Lehrer Volker Ebeling gewählt. Dirk Stockmann, der seit sechs Jahren der Partei angehört und sachkundiger Bürger im Jugendhilfeausschuss ist, soll zusammen mit Wolfgang Büscher stellvertretender Fraktionsvorsitzender werden und dem neuen Ortsvorsitzenden den Rücken stärken. 

Doch vor den Wahlen mussten sich die Mitglieder und die Jungen Liberalen (JuLis) erst mit einer leeren Kasse beschäftigen. »Die Wahlkämpfe im vergangenen Jahr haben ein Riesenloch in unsere Kasse gerissen, und ohne Geld kommen wir nicht weiter«, sagte der scheidende Schatzmeister Gulitz. »Bei einem Minus von 4613 Euro im vergangenen Geschäftsjahr haben wir jetzt auch ein Minus von rund 800 Euro auf unserem Konto Und das ist noch nicht alles: Wir müssen auch ein Minus von etwa 2000 Euro für das kommende Jahr einplanen, zugleich werden unsere Mitglieder auch immer weniger.« Der Mitgliederstand ist innerhalb nur eines Jahres von 73 auf 57 geschrumpft, was aber nicht nur auf die Erhöhung des Jahresbeitrages zurückzuführen sei. Es seien auch - wegen der Beiträge an den Kreisverband - nicht zahlende Mitglieder rausgeworfen worden.

Fraktionsvorsitzender Hartwig Fischer teilte unterdessen in seiner Rede den Mitgliedern mit, dass die städtischen Schulden nicht 109 sondern nun 115 Millionen betrügen. Bürgermeisterin Maria Unger habe es geschafft, in ihrer Amtszeit die Schulden zu verdoppeln. 

Mit sieben neuen Beisitzern soll die FDP eine schlagfertige Truppe werden. Als neue Beisitzer wurden Manfred Hambrink, Günter Gulitz, Daniel Lücke, Sabine-Brigitte Müller, Paul Podkocki, Philipp Renneke und Marc Schüttpelz gewählt.