Neue Westfälische "FDP setzt auf den Newcomer Dirk Stockamp"

19.04.2005

"Die Zukunft ist Bildung" Schwerpunkt Bildungspolitik 

 

Gütersloh(Frank Beineke). An den Abend des 26. September 2004 denkt Dirk Stockamp nur ungern zurück. Zwar konnte die FDP bei den Gütersloher Stadtratswahlen von 4,4 auf 5,3 Prozent zulegen. Doch am Ende fehlten einige wenige Stimmen, um das angestrebte dritte Mandat zu erringen. Und so blieb dem an Nr. 3 der FDP-Reserveliste gesetzten Dirk Stockamp der Einzug in den Stadtrat verwehrt. Den Spaß an der Politik hat der Liberale, der am heutigen Dienstag 33 Jahre alt wird, aber trotz der Kommunalwahl-Enttäuschung nicht verloren. Im Gegenteil – bei der Landtagswahl geht Dirk Stockamp für die FDP im Wahlkreis 95 ins Rennen.

 

Am Abend des 22. Mai 2005 wird der 33-Jährige jedoch wohl kaum um den Einzug in den Landtag zittern. Denn für den Sprung nach Düsseldorf würde der an Nr. 74 der Landesliste postierte Dirk Stockamp das Direktmandat oder ein FDP-Ergebnis von weit über 30 Prozent benötigen. Als "Zählkandidat", der den Wahlkampf als lästige Pflichtaufgabe betrachtet, sieht sich der Gütersloher aber mitnichten. Dirk Stockamp möchte vielmehr kräftig Gas geben, um der FDP zu einem zweistelligen Ergebnis auf Wahlkreis- und Landesebene zu verhelfen. 

 

Ob Podiumsdiskussionen, der obligatorische Straßenwahlkampf, FDP-Veranstaltungen, Landesparteitag oder das schnöde Kleben von Plakaten – Dirk Stockamps Terminkalender ist derzeit proppenvoll.

 

Seinen ersten "großen" Wahlkampf begreift der FDP-Landtagskandidat vor allem als riesige Chance, um seine politischen Schwerpunkte und Ideen darstellen und transportieren zu können. Die Themen, die Dirk Stockamp besonders am Herzen liegen, sind dabei die Jugend- und Bildungspolitik. "Die Zukunft für unser Land ist Bildung, Bildung, Bildung", betont der FDP-Politiker und führt an: "Unser Ziel ist es daher, bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode ein Drittel des NRW-Gesamthaushaltes in Bildung und die Förderung von Forschung und Innovation zu stecken." 

 

Finanziert werden könne und müsse dies durch den Abbau von Subventionen – allen voran in den Bereichen Steinkohle und Windenergie. "Denn mehr Spielräume bleiben uns nicht", sagt Stockamp. Eine klare Absage erteilt der FDP-Politiker der von den Grünen favorisierten Einheitsschule. "Wir wollen am dreigliedrigen Schulsystem festhalten", erläutert der Gütersloher. Dafür sollen Schulen und Universitäten mehr Selbstständigkeit und Freiräume erhalten, um ihr Eigenprofil zu stärken und den Wettbewerb untereinander zu forcieren.

 

Dass durch diese Maßnahmen oder das Erheben von Studiengebühren die soziale Schere weiter auseinander klaffen könnte, glaubt Dirk Stockamp nicht. "Vollkommen unsozial ist häufig eher der Alltag im heutigen Bildungssystem. Ein Viertel der Schüler wird im Unterricht praktisch gar nicht mehr mitgenommen, sondern nur irgendwie durchgeschleust", moniert Stockamp. Das Scheitern in der Ausbildung und der Weg in die Sozialhilfe seien somit oftmals programmiert. "Da gebe ich doch lieber mehr Geld für Kindergärten und Schulen aus", erklärt der Landtagskandidat.

 

Das Wichtigste sei hierbei eine intensivere individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen – und zwar vom Lernschwachen bis zum Eliteschüler. "Denn wir brauchen keine Gleichmacherei, sondern Chancengleichheit", sagt der Gütersloher Liberale. Und zu dieser "Chancengleichheit" müsse auch eine bessere Integration von Ausländer- und Aussiedlerfamilien zählen.

 

Um den Wirtschaftsstandort NRW wieder in Schwung zu bringen, bedürfe es zudem eines massiven Bürokratie-Abbaus und einer gezielten Förderung des Mittelstandes. "Wir müssen einfach sehen, wo einst unsere Stärken lagen – nämlich in einer guten Bildung, einer hohen Innovationskraft und einer hervorragenden Infrastruktur", bekräftigt Dirk Stockamp, der seine politische Zukunft übrigens nicht vom Wahlergebnis abhängig machen will: "Egal, wie es am 22. Mai ausgeht. Ich werde weiter in der Politik aktiv sein."

 

Steckbrief: Dirk Stockamp (FDP)

 

Dirk Stockamp, geboren am 19. April 1972 in Halle, wuchs in Amshausen auf und zog 1997 nach Gütersloh. Der Industriekaufmann und staatlich geprüfte Betriebswirt arbeitet bei der Hörmann KG in Steinhagen. Ende 2000 trat Stockamp der FDP bei, für die er im vergangenen Jahr bei der Kommunalwahl kandidierte. Der 33-Jährige ist stellvertretender Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes Gütersloh. Als sachkundiger Bürger gehört Stockamp dem Jugendhilfeausschuss und den Ausschüssen für Schule und Bildung sowie Arbeit und Soziales der Stadt Gütersloh an. Zu den Hobbys des FDP-Landtagskandidaten, der mit seiner chinesischen Lebensgefährtin Xingwen Liu in der Gütersloher Kernstadt wohnt, zählen das Tanzen, Lesen und Reisen.

 

Als Kind habe ich immer davon geträumt, ferne Länder zu bereisen.

Meine Lieblingsfächer in der Schule waren Geschichte und Politik. 

Ich werde schwach bei Schokolade. 

Ich bewundere Menschen, die sich selbstlos für andere Menschen oder eine Sache einsetzen, von denen/der sie überzeugt sind.

Meine Lebensphilosophie lautet: Carpe diem: Nutze den Tag! 

Im Fernsehen sehe ich mir am liebsten an: Politik- und Geschichtsdokumentationen. 

Auf eine einsame Insel würde ich mitnehmen: Meine Freundin und viele Bücher.

Mein Leibgericht ist Jiaozi (chinesische Teigtaschen). 

Ich höre gern Jazz und gut gemachte Popmusik. 

Familie bedeutet für mich Geborgenheit und Rückhalt.

Mit dem Begriff "Heimat" verbinde ich, verwurzelt zu sein, Freunde und Familie.

Gästen aus Amerika würde ich im Kreis Gütersloh zuerst zeigen: Das Kloster in Marienfeld.

Das wichtigste Ereignis der vergangenen zwölf Monate im Kreis Gütersloh war: Die Einigung auf die Konsensstrecke für die A 33.