Westfalen-Blatt "Pauschalen für Palliativmedizin"

31.08.2005

FDP-Abgeordneter Michael Kauch besucht Städtisches Klinikum

 

Gütersloh (WB). Der Besuch des Bundestagsabgeordneten Michael Kauch im Städtischen Klinikum Gütersloh barg gleich zwei Überraschungen. Zum einen kümmert sich auch die FDP um die letzten Fragen des Lebens. Zum anderen ist sie auf diesem Gebiet sogar bereit, vom Pfad der wirtschaftsliberalen Tugend abzuweichen.

Sowohl der Abgeordnete als auch Heiner Hamp, FDP-Direktkandidat im Kreis Gütersloh, sprachen sich dafür aus, bei der Palliativmedizin eine Ausnahme von den Fallpauschalen zu gewähren, nach denen Krankenhäuser fortan abzurechnen haben. Die Fallpauschalen, die auf jeden einzelnen Krankheitsfall heruntergerechnet sind, sollen die Kliniken immerhin zu mehr Kostenbewusstsein und Wirtschaftlichkeit bewegen. »Bei der Palliativmedizin macht das keinen Sinn«, räumt Michael Kauch ein, der für die FDP-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission Ethik und Recht der Modernen Medizin sitzt. In der Palliativmedizin seien stärker als in anderen Disziplinen Zeit und Zuwendung gefragt. »Wenn ein Mensch stirbt, darf es nicht um die Verkürzung seiner Liegedauer gehen«, sagt Kauch. Palliativstationen und Hospize sollten darum über eine Tagespauschale finanziert werden.

Doch das ist teuer. Zum einen sei die Pauschale mit Einsparungen zu finanzieren, die erreicht würden, wenn Patienten ihre letzten Tage zu Hause oder im Hospiz verbrächten. Zum anderen müssten Zuschüsse auf den Kreis der Armen und Schwachen begrenzt bleiben. Für die anderen heiße das: rechtzeitig vorsorgen. Ein Vorbild für liberale Palliativpolitik spürte Kauch in Gütersloh auf. Dort finanziere der Hospizverein eine halbe Stelle auf der Station von Professor Claus Gropp am Städtischen Klinikum mit. Einem Arzt würden sogar Patientenbesuche in Privathäusern ermöglicht.