Westfalen-Blatt "Stadtmarketing"

25.06.2005

Verkehrsverein vor dem Aus?

Stadt gibt Geschäftsführung ab

 

Gütersloh (mdel). Der Gütersloher Verkehrsverein steht vor einer Zerreißprobe. Nachdem der Rat gestern Abend beschlossen hat, dass die Stadt die Geschäftsführung zum nächstmöglichen Zeitpunkt an den Verein zurückgeben soll, fühlt sich der Vorstand vor den Kopf gestoßen. Vorstandsmitglied Bernhard Grünebaum sieht sogar die Existenz des Vereins, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert, in Frage gestellt. Für den heutigen Samstag kündigte er eine Vorstandssitzung an, in der über das weitere Vorgehen beraten werden soll.

Auslöser war ein Antrag des FDP-Ratsherrn Dr. Wolfgang Büscher, der von CDU, Grünen und FDP durchgedrückt wurde. In der Diskussion um die Stärkung der Gütersloh Marketing GmbH (siehe weiteren Artikel auf dieser Seite) machte er den Vorschlag, die Geschäftsführung wieder dem Verkehrsverein zu übertragen. »Wir müssen dem Verkehrsverein zeigen, dass er enger an die Marketing GmbH heran muss«, forderte Büscher. Derzeit werden die Aufgaben von den städtischen Mitarbeitern Susanne Zimmermann und Peter Grünheit wahrgenommen. Unter anderem übernehmen sie die Organisation des »Gütersloher Sommers« oder des Schinkenmarktes.

Der Vorstand des Verkehrsvereins wurde von der Entwicklung total überrascht. »Hier wird offenbar versucht, uns plattzumachen. Es stellt sich die Frage, wie die Arbeit des Vereins fortgesetzt werden soll. Der Vorstand kann die Tätigkeiten ehrenamtlich nicht übernehmen«, sagt Grünebaum. 

Zwischen den Minderheitsgesellschaftern der Marketing GmbH rumort es ebenfalls. In einer Stellungnahme begrüßten sie gestern die Schaffung von klareren Strukturen im Stadtmarketing. Ein Minderheitsgesellschafter unterzeichnete die Erklärung allerdings nicht - der Verkehrsverein. »In einem Workshop wurde beschlossen, gemeinsam an einer Dachmarke ÝGüterslohÜ zu arbeiten und das Ergebnis der Ratssitzung abzuwarten«, sagt Grünebaum. Warum es nun zu der Stellungnahme der anderen Minderheitsgesellschafter gekommen sei, darüber könne nur gemutmaßt werden. Mit Blick auf die Zukunft hält es der Vorstand für fragwürdig, der Marketing GmbH weitere Aufgaben aufzubürden. Dafür fehle ihr das Personal und das Geld.