Westfalen-Blatt "Krankenhausfusion"

24.11.2005

Chefärzte schreiben Brandbrief Kritik am Investitionsstau

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Die Gütersloher Klinikärzte schlagen Alarm. In einem »Brandbrief« an Bürgermeisterin Maria Unger und Krankenhausdezernent Dr. Klaus Wigginghaus kritisieren sie die Fusion mit dem evangelischen Krankenhaus Rheda und fordern dringende Ersatz-Investitionen in die medizinische Ausrüstung. Dezernent Wigginghaus weist die Vorwürfe zurück.

 

In dem von allen Chefärzten unterzeichneten Brief wird vor allem die mangelhafte Kommunikation zwischen dem Krankenausträger und den Medizinern moniert. So gebe es für die Fusion mit dem evangelischen Krankenhaus Rheda kein medizinisches Konzept. Es würden Oberarzt-Stellen für dieses Krankenhaus ausgeschrieben, ohne dass mit den Chefärzten die Kompetenzen und das Profil der Bewerber abgestimmt worden seien. Das Geld, das in den Erhalt eines an sich überflüssigen Standortes fließe, fehle im Städtischen Klinikum an allen Ecken und Enden. So seien beispielsweise eine Reihe von Ultraschallgeräten überaltert und für moderne Therapieansprüche ungeeignet.

Der Gütersloher Ratsherr Dr. Wolfgang Büscher (FDP) will diesen Brief in der morgigen Ratssitzung thematisieren. In einer Anfrage an die Stadtverwaltung will er unter anderem wissen, wie die Bürgermeisterin mit der »berechtigten Sorge und Kritik« der Ärzte umgehen will und in welcher Form die Chefärzte an wichtigen Entscheidungen des Klinikums beteiligt werden.

Krankenhausdezernent Dr. Klaus Wigginghaus wehrt sich vor allem gegen den Vorwurf, es gebe kein medizinisches Konzept für den Standort Rheda: »Wird denn dort nur Kaffee gekocht?« Über den Ärztlichen Direktor des Klinikums seien die Chefärzte zu jeder Zeit in die Fusionsverhandlungen eingebunden gewesen; entscheidende Gutachten seien mit ihnen abgestimmt worden. Bis zu diesem Brief habe es keinen einzigen Einwand der Ärzte gegen die Fusion mit dem Krankenhaus Rheda gegeben.

In einem Gespräch zwischen Chefärzten und der Verwaltungsleitung sei inzwischen auch Übereinkunft über die notwendigen Ersatz-Investitionen erzielt worden. »Sie kommen wie üblich auf unsere Investitionsliste und werden bei der turnusmäßigen Strategieplanung im Februar erörtert«, teilt Wigginghaus mit. Mit Anregungen, Kritik und Sorgen der Ärzte habe der Dezernent ständig zu tun: »Das ist in einem Großbetrieb so üblich.« Sie würden in regelmäßigen Gremien und Gesprächsrunden beraten.

Schon im Jahresbericht 2002 hatte der damalige Klinikgeschäftsführer Andreas Latz moniert, dass die Ersatzinvestitionen »seit Jahren« nicht ausreichen. Neben der medizinischen Ausrüstung bezog sich diese Kritik auch auf die Gebäudesubstanz und die Installationen.