Westfalen-Blatt "Rat billigt Klinikfusion"

23.04.2005

Krankenhaus in Rheda

FDP dagegen, BfGT enthält sich der Stimme

 

Gütersloh (rec). Nach heftiger Debatte hat der Gütersloher Rat gestern Abend mit den Stimmen von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der UWG die Fusion des Städtischen Klinikums mit dem evangelischen Krankenhaus in Rheda gebilligt. Die FDP stimmte gegen die Fusion, die BfGT enthielt sich.

Dr. Wolfgang Büscher (FDP) bezeichnete die angeblichen Fusions-Vorteile als »Mogelpackung«. Mittel- und langfristig sei der Standort Rheda nicht zu halten. Ein Verbund mit dem Elisabeth-Hospital wäre besser für Gütersloh gewesen. Norbert Morkes (BfGT) monierte noch offene Fragen zu den Folgekosten der Fusion. CDU und SPD warf er vor, die Fusion in einer nur 24-minütigen Ausschuss-Sitzung durchgewunken zu haben.

Diesen Vorwurf wiesen Dr. Thomas Foerster (CDU) und Ingrid Tiedtke-Strandt (SPD) als »infam« zurück. »Wir diskutieren jetzt zwei Jahre über dieses Thema. Wo war denn da die BfGT?«, fragte Tiedtke-Strandt. Scharfe Kritik übte die SPD-Fraktionsvorsitzende auch an der Stellungnahme des Elisabeth-Hospitals zur bevorstehenden Fusion. Das katholische Hospital fordere eine stärkere Kooperation in Gütersloh ein, habe sich aber nicht einen Millimeter in den Verhandlungen bewegt. Hans-Dieter Hucke (CDU) kritisierte die erneute Herausgabe vertraulicher Unterlagen an die Presse. Dagegen wies Hans-Peter Rosenthal (Bündnis 90/Die Grünen) auf die intransparent geführte Debatte hin. Für die Zukunft schlug er eine Kontrolle durch Zielvereinbarungen vor.

 
Gütersloher Wochenschauer
Von Stephan Rechlin
Klinikehe ohne Euphorie
 
So richtig euphorisch gehen auch die Befürworter der Fusion mit dem evangelischen Krankenhaus in Rheda nicht in die bevorstehende Ehe. Das Unbehagen wurzelt in verschmähter Liebe, unklaren Ausgangsbedingungen und einer nebeligen Perspektive.
Viel lieber wäre das Städtische Klinikum mit dem Elisabeth-Hospital zusammengekommen. Das hätte ein Gütersloher Traumpaar geben können, gleichermaßen stark gegenüber der Bielefelder Konkurrenz und den Krankenkassen. Doch die angebetete Nachbarklinik erwies sich in den wenigen Rendezvous als ausgesprochen widerspenstig. Nun wirft sie dem Städtischen Klinikum öffentlich vor, sich einem anderen Partner zugewandt zu habenÉ
Weil es in Nordrhein-Westfalen noch keinen einheitlichen Basis-Fallwert gibt, der als Grundlage zur Abrechnung mit Fallpauschalen dient, kann im Grunde noch kein einziges Krankenhaus genau kalkulieren, wie es zum Jahresende dastehen wird. Die Fusion mit dem evangelischen Krankenhaus aber wird auf Grundlage einer Prognose beschlossen, die von soliden Zuwächsen bis zum Jahre 2009 (!) ausgeht. Diese »geheimen« Daten durften der Presse ohne weiteres zugespielt werden. Schaden resultiert daraus erst, wenn man daran glaubt.
Nicht nur die noch offenen Fragen zur künftigen Mietbelastung in Rheda, zu den Kosten von Verlagerungen medizinischer Leistungen oder zur Reaktion der Patienten vernebeln die Perspektive der jungen Ehe. Schon ein negatives Votum der Krankenkassen im Anhörungsverfahren des Gesundheits-Ministeriums kann das frühzeitige »Aus« des jungen Glücks bedeuten. 
Dennoch ist die Ehe aus Gütersloher Sicht richtig - aus taktischen Gründen. Sollte Rheda geschlossen werden, würden deren Patienten auf andere Kliniken verteilt. Wie im Falle Werther/Halle dürften sich die Krankenkassen erst einmal weigern, diese Mehrbelastungen auch zu vergüten. Mit der Fusion sichert sich Gütersloh schon mal Betten und medizinische Leistungen, die auch abgerechnet werden.