Die Glocke "Blessenstätte: Knappes Ja zur Öffnung auf Probe"

17.06.2005

Von DANIEL ZUMBUSCH

 

Gütersloh(gl). Die Kreuzung Blessenstätte bleibt ein heißes Eisen: Mit der denkbar knappsten Mehrheit von sieben Ja- und sechs Neinstimmen hat der Planungsausschuss gestern beschlossen, die Kreuzung versuchsweise für ein Jahr in nahezu alle Richtungen freizugeben. Der Testbetrieb soll im September starten, wenn der Kreisverkehr an der Ecke von Bismarckstraße und Marienfelder Straße fertiggestellt ist.CDU, FDP und Bürger für Gütersloh (BfGT) sorgten für die Annahme des Vorschlags der Verwaltung. SPD und Grüne sowie die in dem Ausschuss nicht stimmberechtigten Unabhängigen Wähler (UWG) lehnten ihn ab. Die Grünen konnten eine Mehrheit hinter ihrem Antrag versammeln, dass die Verwaltung vor Beginn der Testphase prüfen muss, ob Kirchstraße, Blessenstätte und untere Berliner Straße verkehrsberuhigt werden können. Stadtbaurat Josef E. Löhr wies zum Auftakt der Diskussion darauf hin, dass der Schutz der historischen Keimzelle der Stadt mit Kirchstraße und Altem Kirchplatz oberstes Ziel bleiben müsse. Stadtplaner Michael Zirbel betonte ausdrücklich den Testcharakter der Öffnung. "Bei erheblichen zusätzlichen Belastungen oder gar Gefährdungen im Verkehr wollen wir das relativ kurzfristig wieder einstellen." Die Verwaltung will jede Woche die Autos zählen, um die Veränderungen genau dokumentieren zu können. Die aktuellen Zahlen sollen im Internet veröffentlicht, der Bezirksregierung zur Verfügung gestellt und zeitnah im Planungsausschuss diskutiert werden. Außerdem soll eine Bürgerversammlung einberufen werden, um die neuen Verkehrsregelungen zu erläutern. Zirbel verhehlte nicht, dass er weiter Bedenken gegen die Öffnung der Kreuzung habe. Dennoch warb er dafür, den Versuch jetzt zu wagen und auf der Basis der dabei ermittelten Zahlen alle weiteren Entscheidungen zu treffen. Gerhard Piepenbrock (CDU) sagte, seine Partei wolle keine Rückkehr zu Verhältnissen vor dem Umbau der Kreuzung. Die Durchfahrt müsse so unattraktiv wie möglich gemacht werden. Auch Dr. Wolfgang Büscher (FDP) verband seine Zustimmung mit dem Hinweis, der Durchgangsverkehr müsse rigoros ferngehalten werden. Siegfried Kornfeld (Grüne) begründete seine Ablehnung damit, dass jede Maßnahme zur Verkehrsberuhigung fehle. Nobby Morkes (BfGT) begrüßte die Öffnung und betonte, man müsse auch die damit einhergehende Entlastung auf der Daltropstraße, der Neuenkirchener Straße und Unter den Ulmen berücksichtigen. Norbert Bohlmann (UWG) sagte, mit der Öffnung werde es zu Verschlechterungen kommen, "und das wollen wir nicht". Dr. Thomas Krümpelmann (SPD) betonte, mit der gegenwärtigen Regelung würden alle Ziele wie das Fernhalten des Durchgangsverkehrs, der Schutz des historischen Zentrums und die Vermeidung von Staus erreicht. Deswegen gebe es keinen Grund, die Kreuzung zu öffnen.