Offener Brief zur Legalisierung von Cannabis

Die Jungen Liberalen im Kreis Gütersloh fordern die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Gütersloh über die Internetplattform abgeordnetenwatch.de auf, sich zur Legalisierung von Cannabis zu positionieren und sich im Falle einer Wahl für eine dementsprechende Gesetzesinitiative einzusetzen.


Aus Sicht der JuLis sprechen für eine Legalisierung folgende Gründe:

Das Suchtpotential von Cannabis ist gering. "Knapp 40 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren haben Cannabis zumindest schon einmal probiert. Bei vielen jungen Menschen mit Konsumerfahrung bleibt es aber beim einmaligen, gelegentlichen oder nur episodischen Gebrauch. Der Cannabiskonsum ist bei 12- bis 17-jährigen Jugendlichen im Jahr 2011 weniger verbreitet als noch 2004" (Drogenaffinitätsstudie der BZgA 2011).

Cannabis ist, im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung, unter Jugendlichen weit verbreitet und bereits jetzt leicht verfügbar. Die Kriminalisierung kann die Verbreitung nicht aufhalten. Insgesamt 65 % der 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen in Deutschland haben schon einmal eine illegale Droge, vorrangig Cannabis, angeboten bekommen.

Legale Drogen sind oft gefährlicher als Cannabis. 2011 wurden von 16.731 Unfällen mit Personenschaden unter 91% Alkoholeinfluss, nur 5% unter dem Einfluss von Drogen und 4% unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol verursacht. In Deutschland sind nach Hochrechnung rund 14,6 Mio. Menschen abhängig von Nikotin, nur 200.000 Menschen geben an, Cannabis regelmäßig zu konsumieren.

Im Gegensatz zu illegalen Dogen wäre legales Cannabis kontrolliert. Personen, die Cannabis heute auf dem Schwarzmarkt erwerben, können nicht kontrollieren, welche Zusatzstoffe enthalten sind oder wie hoch der THC-Wert ist. Bei legalem Cannabis müssen alle Inhalts- und Gefahrenstoffe aufgeführt werden.

Die organisierte Kriminalität verliert eine wichtige Einnahmequelle. Kriminelle Vereinigungen finanzieren sich zum guten Teil aus dem Drogenhandel. Mit der Legalisierung von Cannabis wird ein Teil dieser Finanzierung unterbunden. Auf der anderen Seite können durch den legalen Handel Arbeitsplätze entstehen.

Dem Beispiel Portugal folgen. 2001 entkriminalisierte Portugal alle Arten von Drogen. Trotzdem stieg der Drogenkonsum im Vergleich zu den Nachbarländern nicht stärker an. Portugal zeigt, dass es den Menschen zuzutrauen ist, selbst zu entscheiden. Prävention ist besser als Verbote. Anstatt Cannabis zu verbieten, setzen die Jungen Liberalen auf Drogenprävention, in der der reflektierte Konsum im Vordergrund steht. Kampagnen der BZgA, wie "rauchfrei" oder das Schulprogramm "be smart, don´t start", zeigen Erfolg. Noch nie haben so wenig Jugendliche geraucht, wie heute (11,7% der 12- bis 17-jährigen), obwohl Tabakprodukte leicht zugänglich sind.

Der Jugendschutz hat auch bei Legalisierung Vorrang. Natürlich sind sich die Jungen Liberalen der Risiken des Drogenkonsums bewusst. Deshalb sollen auch in Zukunft zwei wichtige Einschränkungen gelten. Zum einen fällt Cannabis unter die Bestimmungen des Jugendschutzes und darf nicht an Minderjährige verkauft werden. Zum anderen soll das Führen von Kraftfahrzeugen und Maschinen unter Drogeneinfluss strafbar bleiben.